{"id":71,"date":"2015-06-19T18:14:02","date_gmt":"2015-06-19T16:14:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gesellschaft-freiwilligenmanagement.de\/wp\/?page_id=71"},"modified":"2020-07-29T16:41:37","modified_gmt":"2020-07-29T14:41:37","slug":"qualitaetsstandards","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.gesellschaft-freiwilligenmanagement.de\/wp\/qualitaetsstandards\/","title":{"rendered":"Qualit\u00e4tsstandards"},"content":{"rendered":"<h3><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" title=\"\" src=\"https:\/\/www.gesellschaft-freiwilligenmanagement.de\/wp\/wp-content\/uploads\/light-bulb-376926_1920.jpg\" alt=\"Qualit\u00e4tsstandards\" height=\"261\" width=\"178\"><strong>Professionalit\u00e4t braucht Qualit\u00e4t<\/strong><\/h3>\n<p>Die Engagementquote in Deutschland steigt. Noch mehr Menschen w\u00e4ren bereit sich freiwillig und unentgeldlich zu engagieren, aber die Anzahl von Personen mit ehrenamtlichen Leitungsfunktionen nimmt seit Jahren kontinuierlich ab (vgl. BMFSFJ 2014). Vor diesem Hintergrund erkennen Vereine, Verb\u00e4nde, Kommunen und die Sozialwirtschaft an, dass es den Ausbau des professionellen Managements von Ehrenamtlichen, als Unterst\u00fctzungsstruktur f\u00fcr das B\u00fcrgerschaftliche Engagement in Deutschland braucht. Ganz im Sinne dieser allgemein geteilten Einsicht entfaltet sich mittlerweile eine breit gef\u00e4cherte Landschaft von Initiativen und Projekten mit ehrenamtlichen wie hauptamtlichen Stellen, um die Koordination und das Management von Freiwilligen zu gew\u00e4hrleisten. Ob in der Nachbarschaftshilfe, im Sport, beim Kulturevent oder in der Tagespflege; stets sind es hoch motivierte Menschen, die f\u00fcr ein freiwilliges und gemeinn\u00fctziges Engagement von m\u00f6glichst vielen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern arbeiten.<\/p>\n<p>Was in diesem Handlungsfeld allerdings bis heute fehlt, ist eine integrierte Beschreibung von Qualit\u00e4tsstandards, an denen sich die professionellen Unterst\u00fctzer*innen orientieren und zu deren Erf\u00fcllung sie auch entsprechende Anforderungen an die Auftraggeber formulieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mit den hier formulierten \u201eQualit\u00e4tsstandards\u201c beschreibt die GESELLSCHAFT F\u00dcR FREIWILLIGENMANAGEMENT worauf es im Sinne eines professionellen Managements von Ehrenamtlichen ankommt. Praktiker*innen in der GFM machen auf diese Weise ihren eigenen Anspruch f\u00fcr eine umfassende und nachhaltige Unterst\u00fctzung des B\u00fcrgerschaftlichen Engagements in Deutschland transparent. Dar\u00fcber hinaus definieren sie damit auch einen Anspruch an die Rahmenbedingungen f\u00fcr ihr professionelles Handeln. Zusammengenommen ist es ein grundlegender Beitrag zur Entwicklung des Freiwilligenmanagements als eigenst\u00e4ndige berufliche Profession im deutschsprachigen Raum.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Qualit\u00e4tsstandards im Freiwilligenmanagement<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Engagementstrategie bestimmen und umsetzen<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>integriert sich in die Organisation <\/strong>und wird als Bestandteil der institutionellen Gesamtstrategie von der Leitung gest\u00fctzt.<\/li>\n<li><strong>integriert sich in den sozialen Raum,<\/strong> ber\u00fccksichtigt Alter, Geschlecht, Herkunft, Bildung, Arbeitswelt, Einkommen, Wohnen, etc. der Engagierten und der Engagementadressaten. Dabei werden die erwartbaren Zukunftstrends bedacht und darauf bezogene Experimente gef\u00f6rdert.<\/li>\n<li><strong>integriert sich in das politische Umfeld,<\/strong> passt sich als ein Gelingensbeitrag in die kommunale Engagementpolitik ein und gew\u00e4hrleistet die Gemeinwohlorientierung.<\/li>\n<li><strong>wird partizipativ entwickelt<\/strong> und mit pers\u00f6nlich oder institutionell betroffenen Personengruppen abgestimmt.<\/li>\n<li><strong>wird mit den notwendigen Ressourcen ausgestattet<\/strong>, die eine praktische Umsetzung m\u00f6glich machen.<\/li>\n<li><strong>wird transparent gemacht<\/strong> und mit relevanten Interessengruppen im Rahmen von Netzwerken kontinuierlich \u00fcberpr\u00fcft.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bedarfe kl\u00e4ren und Aufgabenprofile entwickeln<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>sind im Rahmen der Engagementstrategie verortet<\/strong> und bedienen damit auch die Interessen der Organisation.<\/li>\n<li><strong>werden unter Beteiligung der Nutzer\/innen und betroffenen Fachkr\u00e4fte entwickelt<\/strong>, womit die Interessen und Bed\u00fcrfnisse der direkten Kontaktpersonen ber\u00fccksichtigt sind.<\/li>\n<li><strong>werden aus Perspektive der Freiwilligen-Zielgruppe beschrieben<\/strong>, was sich einerseits in Sprache und Ausdruck spiegelt und andererseits den Gewinn f\u00fcr die engagierten Menschen mit deren Interessen verkn\u00fcpft.<\/li>\n<li><strong>beschreiben angemessene Ziele und Aufgaben<\/strong> sowie ein Gleichgewicht von pers\u00f6nlichen Anforderungen und individuellem Gewinn.<\/li>\n<li><strong>machen den strukturellen Rahmen transparent<\/strong>, was den Ausweis von Gesamtdauer, regelm\u00e4\u00dfigem Zeitaufwand, fachlicher Unterst\u00fctzung sowie den M\u00f6glichkeiten und Grenzen der Auslagenerstattung \/ Aufwandsentsch\u00e4digung beinhaltet.<\/li>\n<li><strong>machen den rechtlichen Rahmen transparent<\/strong>, was immer den Versicherungsschutz beinhaltet und je nach Handlungsfeld auf den Datenschutz eingeht sowie ein qualifiziertes Verfahren zur Pr\u00e4vention vor sexuellem Missbrauch erkennbar macht.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Freiwillige gewinnen<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>mit einer zielgruppenspezifischen Ansprache<\/strong> unter Nutzung ausgew\u00e4hlter Medien und Kooperationen (Vereine, Verb\u00e4nde, Agenturen, Kommune, Unternehmen).<\/li>\n<li><strong>mit der Aktivierung von Beziehungsnetzwerken<\/strong> zur pers\u00f6nlichen Ansprache.<\/li>\n<li><strong>vermittelt durch eine Ansprechperson<\/strong> f\u00fcr offene Fragen oder konkretes Interesse.<\/li>\n<li><strong>erkennbar gemacht in ausformulierten Angeboten<\/strong> und der grunds\u00e4tzlichen Offenheit f\u00fcr die eigenen Ideen der Freiwilligen.<\/li>\n<li><strong>mit Optionen<\/strong> f\u00fcr einen versuchsweise Einstieg und vorzeitigen Ausstieg.<\/li>\n<li><strong>nachvollziehbar in einer schriftlichen Vereinbarung<\/strong> zum Engagement inkl. Datenschutzerkl\u00e4rung (sowie ggf. Einsichtnahme in ein erweitertes polizeiliches F\u00fchrungszeugnis).<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Freiwillige einf\u00fchren, begleiten und qualifizieren<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>im Rahmen einer Einarbeitung<\/strong> durch eine pers\u00f6nlichen Ansprechperson im Einsatzfeld und durch Informationen zum Engagement (z. B. Grunds\u00e4tze des Umgangs) und zum Handlungsfeld (z. B. Sicherheitsbelehrung, Notfallplan).<\/li>\n<li><strong>begleitet von einer Ansprechperson<\/strong> f\u00fcr grunds\u00e4tzliche Fragen, besondere Konflikte oder pers\u00f6nliche Entwicklungsw\u00fcnsche (Orientierungskontakt min. 1 \/ Jahr).<\/li>\n<li><strong>unterst\u00fctzt durch regelm\u00e4\u00dfige Angebote<\/strong> zur kollegialen Beratung unter Freiwilligen und zur Qualifizierung im Engagementbereich (Ggf. Angebot der Supervision).<\/li>\n<li><strong>eingeladen zur Mitgestaltung<\/strong> im Handlungsfeld durch niedrigschwellige M\u00f6glichkeiten (Feedbackgespr\u00e4che, Frageb\u00f6gen) und durch einen transparenten Zugang zu Beir\u00e4ten oder Gremien.<\/li>\n<li><strong>mit transparenten Entwicklungsm\u00f6glichkeiten<\/strong> im bestehenden oder in andere Handlungsfelder sowie in die \u00dcbertragung von (begrenzten) Entscheidungsbefugnissen und Budgets.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zusammenarbeit von Freiwilligen und Fachkr\u00e4ften pflegen<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>durch die Integration von Freiwilligen und Fachkr\u00e4ften<\/strong> als gleicherma\u00dfen wichtige Mitglieder eines Teams.<\/li>\n<li><strong>mit der Reflexion der Zusammenarbeit<\/strong> als wiederkehrendes Thema in Besprechungen mit Freiwilligen und mit Fachkr\u00e4ften.<\/li>\n<li><strong>mit Gelegenheiten f\u00fcr geselligen Kontakte<\/strong> zur Pflege von Beziehungen und als Ausdruck besonderer Wertsch\u00e4tzung.<\/li>\n<li><strong>erg\u00e4nzt durch eine kompetente Ansprechperson<\/strong> f\u00fcr Konflikte zwischen Freiwilligen und Fachkr\u00e4ften.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Engagement anerkennen und wertsch\u00e4tzen<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>vermittelt durch eine wertsch\u00e4tzende Ansprache<\/strong> zur Pflege des pers\u00f6nlichen Kontakts und zum Dank f\u00fcr das freiwillige Engagement.<\/li>\n<li><strong>mit Gelegenheiten f\u00fcr geselligen Austausch<\/strong> unter Freiwilligen (und ggf. mit Fachkr\u00e4ften).<\/li>\n<li><strong>erg\u00e4nzt durch personalisierte Aufmerksamkeiten<\/strong> (z. B. Gru\u00dfkarte) zu regelm\u00e4\u00dfigen Anl\u00e4ssen (Geburtstag, Einsatzjubil\u00e4en, etc.) und bei besonderen Leistungen.<\/li>\n<li><strong>in einer transparenten Struktur <\/strong>von Beg\u00fcnstigungen, Pr\u00e4senten und Ehrungen f\u00fcr das freiwillige Engagement innerhalb einer Organisationseinheit und in Abstimmung mit der Gesamtorganisation. Darin werden die unterschiedlichen Voraussetzungen von Personen (Jugend, Senioren, Frauen, M\u00e4nner, etc.) und die unterschiedlichen Rollen (Vorstand, Helfer\/innen, stille Helfer\/innen, etc.) ber\u00fccksichtigt. Der Zugang zu staatlichen Anerkennungsformen (z. B. Ehrenamtscard) wird dar\u00fcber hinaus aktiv unterst\u00fctzt.<\/li>\n<li><strong>unter Ber\u00fccksichtigung individueller Interessen<\/strong> bei der Auswahl von Beg\u00fcnstigungen (geldwerte Vorteile, Qualifizierung, Mitbestimmung, Entscheidungsbefugnisse, etc.) und Pr\u00e4senten.<\/li>\n<li><strong>erkennbar gemacht durch die \u00f6ffentlich und medial vermittelte W\u00fcrdigung<\/strong> von Engagement und Ehrenamt soweit dies die pers\u00f6nlichen Befindlichkeiten der Freiwilligen nicht besch\u00e4digt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Einbindung und Vernetzung des Engagements<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>durch die Einbindung in die Organisation<\/strong> zur umfassenden Ber\u00fccksichtigung von freiwilligem und ehrenamtlichem Engagement in der Kultur und Praxis der Gesamtorganisation (z. B. Verbandsgliederungen, Abteilungen, Ebenen).<\/li>\n<li><strong>im Rahmen einer Vernetzung in der Engagementlandschaft<\/strong> auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene (z. B. Vereinsringe, Runde Tische, Wohlfahrtsverb\u00e4nde, Fachverb\u00e4nde, Koordinationsstellen der Landkreise, Landes- und Bundesnetzwerke zum Ehrenamt), um darin die unterschiedlichen Interessen von Freiwilligen, Hauptberuflichen und Leistungsnutzern zu vertreten.<\/li>\n<li><strong>gest\u00fctzt durch eine \u00d6ffentlichkeitsarbeit<\/strong> zur Darstellung und W\u00fcrdigung des Engagements in den klassischen und digitalen Medien.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ausstieg und Wiedereinstieg m\u00f6glich machen<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>durch die pro-aktive Thematisierung von Enddaten<\/strong> f\u00fcr ein bestimmtes Engagement zur ergebnisoffenen Kl\u00e4rung von Fortsetzung, Ver\u00e4nderung oder Beendigung.<\/li>\n<li><strong>mit einem wertsch\u00e4tzenden Fokus<\/strong> auf das, was geleistet und erreicht wurde, ohne dass dies durch die m\u00f6glicherweise nicht vorhandene Fortsetzung des Engagements geschm\u00e4lert wird.<\/li>\n<li><strong>ausgewiesen durch die M\u00f6glichkeit der schriftlichen Best\u00e4tigung<\/strong> des freiwilligen Engagements f\u00fcr berufliche Zwecke.<\/li>\n<li><strong>erkennbar gemacht durch ein Verabschiedungsritual<\/strong> und offen gehalten in der grunds\u00e4tzlichen M\u00f6glichkeit einer Wiederaufnahme.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Evaluation und Weiterentwicklung des Engagements<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>durch eine quantitative Erfassung<\/strong> des Engagements (Engagierte, Zeiten, Nutzer, Engagementfelder, etc.) und seiner qualitativen Bewertung durch die Freiwilligen.<\/li>\n<li><strong>durch eine Erfassung der Wirkung<\/strong> des Engagements aus Sicht der Freiwilligen und aus Sicht der Nutzer.<\/li>\n<li><strong>abgesichert im Rahmen einer Dokumentation und Ver\u00f6ffentlichung<\/strong> des Engagements und seiner Wirkung.<\/li>\n<li><strong>verarbeitet in der Pr\u00e4zisierung von eigenen Standards<\/strong> und in der Weiterentwicklung des professionellen Rahmens f\u00fcr das Engagement.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Professionalit\u00e4t braucht Qualit\u00e4t Die Engagementquote in Deutschland steigt. 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